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HOLDEN ist ein Hybrid, der an der Schnittstelle von Kunst-Produktion und Kunst-Vermittlung arbeitet.
HOLDEN ist eine räumliche und soziale Skulptur, in der mit künstlerischen Methoden geforscht,
gearbeitet und produziert wird. Ausgangspunkt ist ein relationales Raummodell, das den Raum nicht
als Container, sondern immer auch als Resultat sozialer Interaktionen begreift. Ein 65qm großes
Ladenlokal im Bürgerparkviertel der Stadt Darmstadt wird zum Ideenlaboratorium, Atelier,
Showroom, Veranstaltungsraum und zur „Handlung“ mit Ideen, Wünschen und Visionen. Entwickelt
und gezeigt werden innerhalb von 2 Jahren Projekte unterschiedlichster Formate, die nicht auf
den Projektraum beschränkt bleiben. Eingeladene KünstlerInnen beschäftigen sich dezidiert mit
der Situation des Bürgerparkviertels: seinen BewohnerInnen, ihrem sozialen und urbanen Raum.
Themen, die in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen, sind: 'Arbeit, Essen, Schlafen,
Kommunikation'. Das Vermittlungsprogramm ergänzt die Themenfelder eigenständig.

WAS WILL HOLDEN?

HOLDEN ist eine experimentelle, alternative Plattform zur tradierten Praxis des Ausstellens,
Vermittelns und Produzierens von bildender Kunst. HOLDEN installiert sich in einer Zeit, in der
weite Teile bisheriger Entwicklungsländer mit enormer Geschwindigkeit Anschluss an die globale
Marktwirtschaft finden und neue Konsumenten hervorbringen. Auf der anderen Seite suchen große
Teile der Gesellschaft nach Orientierung und Halt in Werten außerhalb der Warenwelt. Parallel
dazu findet eine demographische Dynamisierung statt. Die Völkerbewegung des 21. Jahrhunderts
führt,ökonomisch bedingt, zu einer Zusammenballung unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen auf
engem Raum, während andere Landstriche mit dem Rückgang der Bevölkerung konfrontiert sind. Eine
immer höhere Migrationsgeschwindigkeit und kürzere Anwesenheitszyklen fordern bei der Planung,
Erstellung und dem Betrieb von Wohnquartieren neue, diesem Phänomen angemessene Strukturen und
Werkzeuge. Trägt schon die Idee einer von Anfang an hohen Durchmischung verschiedener Generationen
und Kulturen diesem Aspekt Rechnung, so ist man sich dennoch im Klaren, dass ein Quartier nicht mehr
wie früher seine Identität über die erste Bewohnergeneration erhalten wird. Die Menschen leben zu
kurz dort, um sich mit allem Engagement gestaltend einzumischen. Eine Entwicklungsförderung hin zu
einer individuellen Quartiersidentität wäre wünschenswert, um im Idealfall jedem Menschen, der dort
wohnen wird mit einzubeziehen und es ihm zu ermöglichen, sich auch für einen relativ kurzen Zeitraum
seiner Anwesenheit, dort heimisch zu fühlen und einen Teil von sich zum Gesamtbild beizutragen, ein
Teil der Gemeinschaft zu sein. Offensichtlich ist, dass nicht nur die zum Alltagsleben unmittelbar
erforderlichen ökonomischen Rahmenbedingungen vorhanden sein müssen, sondern darüber hinaus
ein Bedürfnis nach Kultur besteht, nach Erkennbarkeit, Identifikation und Partizipation.

Hier nun setzt HOLDEN als experimentelles Kunstprojekt ein: HOLDEN dient als temporäres und
interaktives Forschungslabor. Angesprochen und aktiv einbezogen sind vor allem die Bewohnerinnen
und Bewohner des Bürgerparkviertels sowie als Kooperationspartner andere Mieter und Sozialeinrichtungen
(Gewerbetreibende, Hausfrauenbund, Jugendverein, Kindertagesstätte etc.). Interesse des Projektes ist
es, den gemeinsam bewohnten Ort in einen bespielten, d.h., durch kreative Aneignung erlebten und damit
bewusster wahrgenommenen Handlungsraum zu verwandeln, einen Raum, der eine Identität besitzt und
Identität zu stiften vermag.

HOLDEN setzt sich mit der Frage nach der Qualität von Identität auseinander und welche 'Handlungsfelder'
in diesem Zusammenhang ein Dialog zwischen bildender Kunst und Leben eröffnen kann. Wie kann sich Kunst
sozial nützlich machen, ohne ihre Identität zu verlieren? Was passiert, wenn mit künstlerischen Strategien
soziale Prozesse in Gang gesetzt werden? Wie wirken diese zurück auf ein Kunstwerk? Was löst eine solche
Form der Annäherung auf der einen wie auf der anderen Seite aus? Wie kann Kunstvermittlung sinnvoll in
diese Wechselbeziehung eingreifen? Wer verteilt die Kompetenzen?

Diese Fragen sind nicht nur im Hinblick auf die heutige Rolle des Künstlers in der Gesellschaft relevant,
sondern ganz konkret für die Kulturpolitik einer Stadt. Wie kann Kunst neue Sichtweisen auf das eigene
Lebensumfeld eröffnen, zu veränderten Wahrnehmungs-, Aneignungs- und Ausdrucksformen anregen?
Oder vereinfacht gesagt: wie viel Kunst und Kultur braucht eine Stadt, braucht die Gesellschaft?
Was kann und soll Kunst leisten? HOLDEN möchte mit unmittelbar erfahrbaren Mitteln: im Dialog, durch
soziale Interaktion, sinnliche Angebote und spielerische Experimente, unterschiedlichen Menschen
aktuelle Kunst nahe bringen und umgekehrt aktuelle Kunst in die Nähe ihres Lebens- und Erfahrungsumfelds
bringen. HOLDEN greift Fragen aus der Kunst auf, trägt sie ins Leben und umgekehrt.

WAS MACHT HOLDEN?

Die übergeordnete Frage, die Holden mit diesen Projekten und den dazugehörigen Veranstaltungen stellt,
lautet: Inwieweit ist bereits Wahrnehmung selbst ein Handlungs- und Aneignungsprozess? Scheinbar
passives und rezeptives Dasein, wäre demnach zu verstehen als ein Eingriff in die Umgebung. Inwieweit
lassen sich über temporäre faktische Eingriffe Räume gestalten, die ein Gefühl tieferer Verbundenheit bzw.
Dazugehörigkeit erzeugen? Darüber hinaus setzt sich HOLDEN mit dem Anspruch auseinander, als
'Kunstprojekt und Kunstausstellung' selbst ein konkretes Handlungsfeld zu sein. Die besondere Bedeutung
erhält HOLDEN durch seinen performativen Charakter. Als Kunstprojekt bezieht HOLDEN sein Selbstverständnis
aus der Idee eines dynamischen Organismus, der, im Gegensatz zur hermetischen Programmatik eines
Veranstaltungsraumes, auf Austausch und Interaktion basiert und diese Erfahrungen in den 'think tank'
zurückfließen lässt. Durch die Bereitschaft, das eigene Verständnis von Aneignung, Wahrnehmung und
Handlung zu hinterfragen, werden kontinuierlich neue Ideen generiert, die wiederum in nachfolgenden
Projekte fortentwickelt werden.
HOLDEN wird durch seine Präsenz unter anderem ein Wohnviertel portraitieren und damit mitgestalten,
dessen individuelles Gesicht es noch zu entdecken gilt. Ein Wohnviertel ist die Summe seiner Teile.
Es lebt zum einen von seinen architektonischen und städteplanerischen Voraussetzungen. Die Menschen, die
im Bürgerparkviertel wohnen, arbeiten, sich begegnen und täglich oder zeitweise aufhalten, bestimmen den
Rhythmus und die Atmosphäre des Ortes entscheidend mit. Doch wer sind diese Menschen? Woher kommen sie?
Was tun sie? Wie leben sie? Und vor allem wie er-leben sie 'ihr' Viertel? Statistiken geben darüber keine
Auskunft. Und eröffnen schon gar keine Handlungsfelder, die neue Perspektiven sozialer und kultureller
Interaktion aufzeigen könnten.

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